Wiederherstellung der Farbfassung der König-Orgel


Zum Abschluss der Rekonstruktion der König-Orgel konnte mit Hilfe eines privaten Sponsors 2012 eine Neufassung der Farbgebung nach historischem Vorbild durchgeführt werden. Da hierbei möglichst die originalen Materialien verwendet sowie eine originalgetreue Oberfläche erzielt werden sollten, wurde ein mit der entsprechenden Aufgabenstellung vertrauter Restaurator, Herr Ruben Meyer-Graft aus Köln, mit der Durchführung beauftragt.

Der Zustand nach der Rekonstruktion von 2000 bis 2012 mit der Nachkriegsfassung in Grautönen

Der Zustand nach der Rekonstruktion von 2000 bis 2012 mit der Nachkriegsfassung in Grautönen

Er konnte auf bereits von Prof. Regina Urbanek durchgeführte Untersuchungen zurückgreifen, die Farbschichten aus vier verschiedenen Epochen nachgewiesen hatte. Wiederhergestellt werden sollte die erste barocke Originalfassung: Ursprünglich war die Orgel mit einer einfarbigen, rot-braunen Lasur ohne weitere Grundierung direkt auf dem Holz gefasst, begleitet von umfangreichen Vergoldungen an den Profilen, den Schleiern und vermutlich ebenso an den nicht mehr erhaltenen geschnitzten Ornamenten. Die Vergoldungen besaßen einen leicht getönten Überzug. Diese Fassung passt auch stilistisch in die Erbauungszeit um 1752.

Eine Freilegung war wegen ihrer schlechten Durchführbarkeit und wegen des recht hohen Aufwandes nicht möglich. Es blieb nur eine Neufassung nach Befundlage.

 

Nachdem der Originalbefund anhand von Freilegungsproben zumindest an den eigentlichen Prospektflächen und den Profilen ausreichend gestützt war, mußten für die Neufassung noch einige Punkte geklärt werden:

 

• Die Art der Fassung an den ergänzten Ornamenten sollte noch anhand von Farbproben ermittelt werden.

 

• Auf der über dem Mittelturm stehenden Kartusche sollte ein Schriftfeld ergänzt werden. Auch hier war die konkrete Farbigkeit noch nicht klar.

 

• Die Brüstung der ebenfalls erneuerten Empore, die bisher nur mit einer Lasur versehen war, sollte farblich mit der Orgel in Einklang gebracht werden.

 

Um diese Fragen zu klären, wurden im Vorfeld und während der Arbeiten diverse Farbproben erstellt. Die Farbfindung ohne Befund war nicht immer ganz einfach, führte letztlich doch zu einem überzeugenden Ergebnis: Rot-bräunliche, holzmaserierte Fassung des Gehäuses, ent-

 

Erste Freilegungsproben

Erste Freilegungsproben


Die Mittelkartusche während der Vergoldung: Das Blattgold wird auf das angetrocknete Anlegemittel aufgebracht

Die Mittelkartusche während der Vergoldung: Das Blattgold wird auf das angetrocknete Anlegemittel aufgebracht

sprechend farblich angepasste Überfassung der nicht historischen Emporenbrüstung sowie flächige Vergoldung der Ohren und Schleierbretter. Darüber hinaus wurden die Putti nach Befund neu gefasst.

 

Um das Schriftfeld an der neuen Kartusche, die sich mittig auf dem Dach des Gehäuses befindet, ergänzen zu können, wurde als Vorlage ein historisches Foto aus dem Jahre 1939 verwendet, welches noch die ursprünglichen Schnitzereien zeigt.

 

Mit Hilfe dieses Fotos ließ sich die Schrift auf das rekonstruierte Schriftfeld projizieren und soweit entzerren, dass eine Schablone gefertigt werden konnte. Nach dem Vergolden der Kartusche und dem Streichen des Hintergrundes wurde die Schrift mittels dieser Schablone übertragen und dann in beschriebener Weise vergoldet. Für den Untergrund wurde ein etwas helleres Rot gewählt.


Insgesamt betrug der Umfang dieser beschriebenen Arbeiten ca. 700 Stunden. Für die Vergoldungen wurden insgesamt ca. 4500 Blätter Gold in einem Wert von knapp 6000 Euro verarbeitet. Auch bei fehlenden Befunden, wie an den Ornamentschleiern oder der Empore, waren nicht zuletzt auch Befunde an Vergleichsbeispielen ausschlaggebend für die gewählte Farbgebung. So steht insgesamt hinter der Neufassung der Ludwig-König-Orgel - wie auch hinter ihrer gesamten Rekonstruktion - das Bemühen, einen originalen Zustand so weit wie möglich wieder herzustellen: für die Ohren das Instrument und für die Augen das Gehäuse.

Die Ludwig- König-Orgel nach Fertigstellung der restauratorischen Neufassung

Die Ludwig- König-Orgel nach Fertigstellung der restauratorischen Neufassung

Eine ausführliche Beschreibung der restauratorischen Arbeiten am Gehäuse der König-Orgel befindet sich im Heimatbuch des Kreises Viersen, Jhg. 2013: „Die Arbeiten zu einer restauratorischen Neufassung der Ludwig-König-Orgel in der Paterskirche zu Kempen“, von Ruben Meyer-Graft.